Naturparadies Dümmer 

- die Zeitungsserie im Diepholzer Kreisblatt - 

 
 




 
     
 

Folge 01:

von Frank Körner

Diepholzer Kreisblatt 
vom 05.08.05


 

Trauerseeschwalben zieht es gen Süden

Wenn die Mitarbeiter der Naturschutzverbände BSH, NABU und Mellumrat am Dümmer ins kleine weiße Boot steigen, dann arbeiten sie im Auftrag des Landes Niedersachsen daran, vom Aussterben bedrohte Vögel für die Besucher des Dümmers wieder erlebbar zu machen. 

Am vergangenen Freitag nutzten sie das schöne Wetter vor dem drohenden Gewitterregen für eine letzte Kontrollfahrt zur Brutkolonie der sehr seltenen Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger). Mit 24 Zentimetern ist sie etwas kleiner als eine Amsel und ihr schwarzgraues Hochzeitsgefieder hat den Namensgeber wohl an ein Trauerkleid erinnert. Trauerseeschwalben sind Zugvögel, die Ende April ihre Brutgebiete in Europa aufsuchen und sich bereits im Juli oder spätestens im August mit ihrem Nachwuchs wieder auf den Weg an die Küste des tropischen Westafrikas machen. Zuvor sammeln sie sich zur Mauser zum Beispiel am Ijsselmeer, um ihr Großgefieder für den bevorstehenden Langstreckenflug zu erneuern. Während sich die Eltern im nächsten Frühjahr auf die Rückreise machen, bleiben die Jungvögel noch ein Jahr in Afrika.

 
 

Futterübergabe an eine junge Trauerseeschwalbe auf dem Dümmer. Die Nahrung besteht aus Insekten, Spinnen und kleinen Fischen, die im Flug erbeutet werden.
Foto: D. Tornow

 
 

 

Weil die Bestände vieler Wasservögel in der Vergangenheit dramatisch eingebrochen waren, haben sich 146 Staaten verpflichtet, Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung, wie zum Beispiel den Dümmer, besonders zu schützen. Besonders zu leiden hatte die Trauerseeschwalbe am Dümmer unter den Folgen der Eindeichung. Stark schwankende Wasserstände und das Verschwinden der Krebsschere machten ein erfolgreiches Brutgeschäft nahezu unmöglich. Ihr Brutbestand sank von 250 auf 20 Paare. Die schwimmenden Blätter der Krebsschere, einer Wasserpflanze, die nur in nährstoffarmen Gewässern gedeiht, dienten den Trauerseeschwalben als Nistunterlage. Bis die Dümmersanierung greift, müssen als Ersatz künstliche Nisthilfen angeboten werden. Zum Einsatz kommen dabei 50 mal 50 Zentimeter große schwimmende Flöße aus Polyurethan (PUR), eine Spende der in Lemförde ansässigen Firma Elastogran GmbH. Durch dieses 1987 begonnene Artenhilfsprogramm des Landes Niedersachsen ist der Bestand mittlerweile auf etwa 100 Brutpaare angewachsen. 

Der Dümmer ist damit der wichtigste Brutplatz der Trauerseeschwalbe in Niedersachsen und mit etwas Glück kann man die fluggewandte Seeschwalbe im Süden des Dümmers über die Hunte und im Westen über den Deich fliegen sehen.


 
 

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