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Folge 03: von
Dieter
Tornow
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"Hellblau und zitternd vor Frische" Ein gewisser Arno Schmidt hat Anfang der fünfziger Jahre Badefreuden am Dümmer genossen. Das wüsste heute keiner mehr, wenn nicht besagter Schmidt den Urlaub mit seiner Frau Alice zu einem 50 Seiten langen Sprach-Kunststück verarbeitet hätte. Mit "Seelandschaft mit Pocahontas" hat dieser Dichter von hohem Rang die Gegend um den Dümmer auf die literarische Landkarte gesetzt. Es wird an diesem Sonntag um 19 Uhr in einer einmaligen Aktion auf dem Dümmer in Hüde in Form einer szenischen Lesung mit elektronischer Musik aufgeführt. "Bleiiges Geknitter", aber auch "hellblau und zitternd vor Frische", so beschreibt Schmidt die Wellen des glasklaren Dümmerwassers und an anderer Stelle holt Pocahontas "eine Handvoll seidenschwarzen Schlammes" aus dem Wasser. Die 1953 abgeschlossene Eindeichung hat aus dem Dümmer jedoch einen von Algen getrübten Stausee gemacht. Zu viele Nährstoffe erreichen über den Zufluss die Hunte den See. Als Folge davon müssen Jahr für Jahr rund 50.000 Kubikmeter Faulschlamm aus abgestorbenen Algen aus dem See gepumpt werden. So war es in den letzten Jahrzehnten. |
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"Mini-Klärwerke"
mit
nur
einem
Auge:
Unzählige
Wasserflöhe
filtrieren
im
Dümmer
kleine
Algen
aus
dem
Wasser
und
sind
selbst
wiederum
wichtige
Fischnahrung. |
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Wer aber heute, über 50 Jahre danach, den Dümmer mit forschendem Blick untersucht, kann unter dem Mikroskop wieder viel Spannendes entdecken, denn seit wenigen Jahren ist der See auf dem Weg der Besserung. Eine wesentliche Rolle spielen dabei winzig kleine Lebewesen, und zwar die sogenannten Wasserflöhe. Das sind im Wasser lebende, gänzlich durchsichtige Krebstierchen, die ihren Namen nach ihrer hüpfenden Fortbewegungsweise erhalten haben. Vorn am Kopf sitzen große verästelte Fühler, mit denen allerdings nicht gefühlt wird, sondern die zur Fortbewegung dienen: durch Auf- und Abschlagen hüpfen die Tierchen zickzackförmig durchs Wasser. Für die Ernährung sorgen vier bis sechs borstige Beinpaare an der Vorderseite des Körpers. 400 bis 500 mal in der Minute werden die Beinchen hin- und hergewedelt um Algen im Wasser aufzuwirbeln und zum Mund zu strudeln. Auch geatmet wird über die Beinchen, die dazu mit dünnhäutigen Kiemen ausgestattet sind. Das Blut der Flöhe ist farblos und fließt nicht in Adern, sondern umspült die verschiedenen Organe. Für die Bewegung des Blutes sorgt das Herz, das etwa in Höhe des Nackens im Rückenbereich sitzt. Im
Dümmer-Museum
in
Lembruch
kann
man
zurzeit
Wasserproben
aus
dem
Dümmer
unter
dem
Mikroskop
betrachten.
Wer
sich
auf
"Seelandschaft
mit
Pocahontas"
einstimmen
möchte,
der
kann
dort
auch
Fotos
aus
dem
Besitz
der
Arno-Schmidt-Stiftung
anschauen,
die
der
Dichter
während
seines
Urlaubes
am
Dümmer
aufgenommen
hat. |
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