Naturparadies Dümmer 

- die Zeitungsserie im Diepholzer Kreisblatt - 

 
 




 
     
 

Folge 03:

von Dieter Tornow

Diepholzer Kreisblatt 
vom 19.08.05


 

"Hellblau und zitternd vor Frische"

Ein gewisser Arno Schmidt hat Anfang der fünfziger Jahre Badefreuden am Dümmer genossen. Das wüsste heute keiner mehr, wenn nicht besagter Schmidt den Urlaub mit seiner Frau Alice zu einem 50 Seiten langen Sprach-Kunststück verarbeitet hätte. Mit "Seelandschaft mit Pocahontas" hat dieser Dichter von hohem Rang die Gegend um den Dümmer auf die literarische Landkarte gesetzt. Es wird an diesem Sonntag um 19 Uhr in einer einmaligen Aktion auf dem Dümmer in Hüde in Form einer szenischen Lesung mit elektronischer Musik aufgeführt.

"Bleiiges Geknitter", aber auch "hellblau und zitternd vor Frische", so beschreibt Schmidt die Wellen des glasklaren Dümmerwassers und an anderer Stelle holt Pocahontas "eine Handvoll seidenschwarzen Schlammes" aus dem Wasser.

Die 1953 abgeschlossene Eindeichung hat aus dem Dümmer jedoch einen von Algen getrübten Stausee gemacht. Zu viele Nährstoffe erreichen über den Zufluss die Hunte den See. Als Folge davon müssen Jahr für Jahr rund 50.000 Kubikmeter Faulschlamm aus abgestorbenen Algen aus dem See gepumpt werden. So war es in den letzten Jahrzehnten.

 

 

"Mini-Klärwerke" mit nur einem Auge: Unzählige Wasserflöhe filtrieren im Dümmer kleine Algen aus dem Wasser und sind selbst wiederum wichtige Fischnahrung.
Foto: Dieter Tornow

 
 

 

Wer aber heute, über 50 Jahre danach, den Dümmer mit forschendem Blick untersucht, kann unter dem Mikroskop wieder viel Spannendes entdecken, denn seit wenigen Jahren ist der See auf dem Weg der Besserung. Eine wesentliche Rolle spielen dabei winzig kleine Lebewesen, und zwar die sogenannten Wasserflöhe. Das sind im Wasser lebende, gänzlich durchsichtige Krebstierchen, die ihren Namen nach ihrer hüpfenden Fortbewegungsweise erhalten haben. Vorn am Kopf sitzen große verästelte Fühler, mit denen allerdings nicht gefühlt wird, sondern die zur Fortbewegung dienen: durch Auf- und Abschlagen hüpfen die Tierchen zickzackförmig durchs Wasser. Für die Ernährung sorgen vier bis sechs borstige Beinpaare an der Vorderseite des Körpers. 400 bis 500 mal in der Minute werden die Beinchen hin- und hergewedelt um Algen im Wasser aufzuwirbeln und zum Mund zu strudeln. Auch geatmet wird über die Beinchen, die dazu mit dünnhäutigen Kiemen ausgestattet sind. Das Blut der Flöhe ist farblos und fließt nicht in Adern, sondern umspült die verschiedenen Organe. Für die Bewegung des Blutes sorgt das Herz, das etwa in Höhe des Nackens im Rückenbereich sitzt.

Im Dümmer-Museum in Lembruch kann man zurzeit Wasserproben aus dem Dümmer unter dem Mikroskop betrachten. Wer sich auf "Seelandschaft mit Pocahontas" einstimmen möchte, der kann dort auch Fotos aus dem Besitz der Arno-Schmidt-Stiftung anschauen, die der Dichter während seines Urlaubes am Dümmer aufgenommen hat.


 
 

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