Naturparadies Dümmer 

- die Zeitungsserie im Diepholzer Kreisblatt - 

 
 




 
     
 

Folge 07:

von Ulrike Marxmeier

Diepholzer Kreisblatt 
vom 16.09.05


 

Erkennungszeichen: breiter Schnabel

Auf den ersten Blick ist es zu erkennen: es ist der ungewöhnliche Schnabel dem die Löffelente ihren Namen zu verdanken hat. Als wäre er versehentlich zu groß geraten, sitzt er etwas unpassend im Entengesicht. Doch der deutlich verbreiterte Schnabel ist nicht missglückt - ganz im Gegenteil - er ist ein hoch entwickeltes Instrument, der es der Ente ermöglicht, sich von winzigen Partikeln und Tierchen im Wasser zu ernähren. Sie durchschnattert mit ihm die obersten Wasserschichten von Gewässern, denn dort wimmelt es von Lebewesen. Aber Wasserflöhe und andere Tierchen sind sehr klein. Viel Wasser und wenig Nahrung im Schnabel? Die Löffelente hat eine Lösung für das Problem gefunden, sie hat stets ein feines Sieb dabei: Ober- und Unterschnabel sind mit einem Kamm aus langen, dünnen und dicht stehenden Hornzähnchen besetzt, die ineinander greifen, wenn die Ente den Schnabel schließt. Mit der Zunge presst der Vogel das zuvor eingesogene Wasser durch das Sieb aus Zähnchen wieder zurück in das Gewässer - hängen bleiben Wasserflöhe, Hüpferlinge, Mücken und pflanzliche Kost.

 
 

Der Schnabel der Löffelente (Anas clypeata) ist an ihre Nahrungsaufnahme angepasst.
Foto: Tornow

 
 

 

Obwohl die Löffelente am Dümmer brütet, ist sie im Sommer kaum zwischen den Blättern der See- und Teichrosen oder am Uferrand neben den zahlreichen Stockenten zu entdecken. Im Herbst lässt sie sich dagegen gut beobachten, denn dann hält sie sich zur Nahrungssuche meist auf der freien Wasserfläche auf. Oft versammeln sich hier im September und Oktober sogar größere Gruppen von mehreren hundert Enten und seihen das von ihnen aufgewirbelte Wasser fleißig mit ihrem Schnabel durch. Bedauerlich ist allerdings, dass alle Entenerpel ab dem Spätsommer ihr buntes Federkleid verlieren. Sticht das Löffelentenmännchen im Frühling durch kastanienbraune Körperseiten, eine weiße Brust und einen dunkelgrünen Kopf mit gelben Augen bunt aus der Entenschar heraus, entfärbt es sich zum Herbst hin zu einem traurigen bräunlichen Grau. Selbst der breite, schwarz glänzende Schnabel wird dann blass.

Während andere Entenarten, wie Stock- oder Pfeifenten, den Winter über am Dümmer bleiben, ziehen Löffelenten weiter in wärmere Gegenden, zum Beispiel in die französische Camarque, nach Spanien oder Nordafrika. Um den kräftezehrenden Flug dorthin zu schaffen, benötigen die Zugvögel Futter- und Erholungspausen in geeigneten Gebieten entlang ihrer Reiseroute. Ein europäisches Netz aus Schutzgebieten in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, Natura 2000 genannt, soll Zugvögeln helfen. Löffelenten sind nach europäischem Recht streng geschützt.


 
 

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